Über den Umgang mit Kritik

Meine letzte E-Mail-Aussendung liegt nicht lange zurück, und es gab darauf eine interessante Reaktion - jemand schrieb mir folgendes:

Sehr geehrter Herr Peter Hauptmann,

Ihre Du - Worthaftigkeit ist echt widerwärtig.

Danke für ihre kumpelhaften Annäherunsversuche.

Wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

(Es folgten Name und Institution)

Ich möchte gleich hinzufügen, dass ich mit „interessante Reaktion“ NICHT dieses Schreiben an sich meine, sondern - meine EIGENE Reaktion darauf.

Nämlich die Reaktion, dass ich den ganzen Tag - und eigentlich auch noch die darauffolgenden Tage, bis jetzt gerade eben, darüber nachdenken musste.

Interessant finde ich diese Reaktion - dass mich das ganze so lange beschäftigt - weil ich ja an sich - rational - weiß, dass Kritik meist sehr subjektiv ist und oft mehr über den Kritiker selbst als über die Kritisierten aussagt.

Trotzdem kommt es vor, dass Kritik mich trifft, dass ich stunden- und manchmal tagelang darüber nachdenken muss.

Geht es euch auch so?

Dann will ich heute meine Gedanken dazu mit euch teilen - denn meine eigene „interessante Reaktion“ hat mich - getreu meinem Grundsatz, Schwächen immer in Stärken zu verwandeln - dazu veranlasst, in diesem Blogpost über Kritik und den Umgang mit ihr zu reflektieren - nämlich:

Wie wir optimal mit Kritik umgehen können

Wieso habe ich also meine eigene Reaktion so interessant gefunden?

In erster Linie, weil sie so unlogisch war. Es kam ja nicht nur diese eine Antwort - es kamen viele - und ALLE anderen Antworten waren positiv!

Es gab auch mehrere Buchungen des Online-Kurses, den ich mit meinem Mail angekündigt habe - und auch Mails von Interessenten, die Fragen dazu hatten und den Kurs noch buchen möchten.

Das wäre doch ingesamt ein erfreuliches Ergebnis meiner Aussendung -

Warum hat mich also gerade diese eine, einzige, negative Reaktion so lange beschäftigt?

Wenn es euch auch so geht, werdet ihr euch dies Frage wahrscheinlich auch stellen.

Die Antwort ist einfach:

Wir Menschen sind darauf gepolt, eher auf das zu achten, was nicht passt, als auf das, was passt.

In grauer Vorzeit war das unverzichtbar: solange alles in eitler Wonne und Sonne blieb, lebten wir fröhlich vor uns hin - sobald aber etwas Ungewohntes in diese Welt eindrang - wenn es in die Höhle regnete, wenn ein Bär davor stand, wenn jemand unser Essen klaute - war es unverzichtbar - und oft auch lebensrettend - wenn wir unsere gesamte Aufmerksamkeit darauf richteten.

Diese Angewohnheit ist also prinzipiell etwas Gutes, kann uns aber im Bezug auf unsere Projekte - gerade auch bei künstlerischen und kreativen Projekten und ihrer Umsetzung - gewaltig behindern.

Übermäßige Beachtung von Kritik kann dazu führen…

… dass wir mit Dingen, die wir tun, wieder aufhören, weil sie kritisiert wurden

… dass wir Dinge nicht so tun, wie wir sie gerne tun möchten, weil wir zu sehr auf dieses „Feedback“ achten

… und im schlimmsten Fall, dass wir gar nicht erst damit beginnen, weil wir schon im Voraus die Kritik fürchten

Angst vor Kritik kann uns also gewaltig zurück halten - deshalb sollten wir sie in den Griff bekommen, um unsere Pläne, Wünsche, Träume, Projekte zu verwirklichen (*)

(*) Ich möchte noch hinzufügen, dass wirklich starke, übermäßige Angst vor Kritik und Zurückweisung auch ein Problem sein kann, das eventuell nur durch therapeutische, professionelle Hilfe bewältigt werden kann. Ich bin kein Therapeut - ich bin Coach, Trainer und Berater und alles, was ich hier schreibe, bezieht sich auf Verhaltensweisen, die durch Nachdenken, eigene Vorsätze und selbst verantwortete Änderungen von Gedanken und Gewohnheiten erzielt werden können. Wenn du den Eindruck hast, dass du damit nicht weiterkommst, dann scheue dich bitte nicht, kompetente therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen!

Mögliche Wege, um mit Kritik umzugehen wären also:

1) Das Wichtigste ist, zuerst überhaupt einmal zu akzeptieren, dass du dich kritisiert - und damit in der Defensive fühlst.

Natürlich möchten wir alle uns gerne stark, unangreifbar und erwachsen genug fühlen, so dass uns negative, ungerechtfertigte Kritik nichts anhaben kann.

Aber das ist nun einmal nicht immer der Fall - und der erste, wichtigste Schritt ist, zu akzeptieren, dass es dich trifft, dass es dich beschäftigt - und dann tatsächlich...

2) dich aktiv und bewusst damit zu beschäftigen. Es bringt nichts, wenn der Gedanke an eine bestimmte Kritik uns immer wieder durch den Kopf geht und wir versuchen, nicht daran zu denken, sie zu verdrängen oder uns einfach nur schlecht fühlen.

Geh es aktiv an: Schreib nieder, was dich beschäftigt, was dich konkret getroffen hat, wie du dazu stehst.

So, wie ich das mit diesem Blogpost hier tue. Ich beschäftige mich damit, OBWOHL ich weiß, dass diese konkrete Kritik mich eigentlich nicht beschäftigen sollte. WEIL sie es aber trotzdem tut, und ich mein Unterbewusstsein nicht anders in den Griff bekomme, nehme ich es bewusst her und setzte mich damit auseinander.

3) Argumentiere nicht dagegen. Das ist Zeit- und Energieverschwendung. Sag bestenfalls: „Danke - ich werde darüber nachdenken“ (immerhin hat sich die andere Person ja die Zeit genommen, dich zu kritisieren) - und denk tatsächlich darüber nach, so wie ich es hier tue.

ABER: glaube nicht, dass das Ergebnis deines Nachdenkens diese dich kritisierende Person in irgendeiner Weise zufrieden stellen muss. Es ist unmöglich, ALLE Menschen zufrieden zu stellen und es ist auch überhaupt nicht notwendig, selbst die Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung immer und mit allem zufrieden zu stellen.

Es ist auch nicht notwendig, perfekt oder unfehlbar zu sein. Aber darüber werde ich später noch einmal mehr schreiben…

4) Erkenne, dass die Umwandlung deiner ersten, defensiven (oder gegen-aggressiven) Gedanken in eine Haltung des Zuhörens und Nachdenkens dir unglaubliche Kraft geben können. Kraft, um Selbst-Sicherer und Selbst-Bewusster zu werden.

Das ist nicht einfach, das kann man nicht einfach so entscheiden und dann bleibt es für immer so , sondern es erfordert regelmäßige Übung, so als wäre es ein körperliche Fähigkeit - nur dass es eben eine geistige Fähigkeit ist, die du tatsächlich durch regelmäßiges Üben und Trainieren lernen kannst.

5) Frage dich: WAS genau beschäftigt mich an dieser Kritik eigentlich? Ist da eventuell tatsächlich etwas dabei, dass ich ändern oder verbessern kann? Aber Achtung: auf DEINE Art, getreu DEINEM Weg, nicht, um die anderen damit zufrieden zu stellen.

Meine Vermutung ist, dass gerade dort wo uns etwas besonders trifft - und ich meine inhaltlich, nicht vom Ton der Kritik her - tatsächlich ein Körnchen der Wahrheit vergraben ist ODER wir ohnehin selbst schon wussten, dass hier etwas nicht ganz passt.

Im konkreten Fall war es genau das, was bei mir zugetroffen hat: nachdem ich mich in der hier beschriebenen Art mit dieser Kritik beschäftigt habe - denn es war, trotz dem aggressiven Tonfall - eine reale Kritik an der Tatsache, dass ich alle Menschen in meiner Mailingliste, ob ich sie kannte oder nicht, in meinem Mail „geduzt“ habe - wurde mir klar, dass ich tatsächlich von Anfang an, fast unbewusst, kein wirklich gutes Gefühl dabei hatte.

Ich habe schon beim Schreiben gemerkt oder vermutet, dass das „Du“ nicht allen recht sein könnte, und dass es Menschen gibt, die dagegen Vorbehalte haben, mit anderen, unbekannten Menschen „per du“ zu sein.

Aber ich habe das ignoriert und war (und bin) außerdem der Meinung, dass bei dem was und worüber und wie ich es schreibe, ein kollegiales „Du“ durchaus angebracht ist.

Weil ich aber vorher (eher fast unbewusste) Zweifel hatte, hat mich diese „Kritik“ besonders getroffen und beschäftigt.

Es war also ein Körnchen Wahrheit dabei und dieses hat mich zum bewussten Nachdenken und auch zu einer bewussten Entscheidung gezwungen:

JA ich stehe zu dem „Du“, ja, ich will die Menschen, die ich mit meinen Mails und Blogposts erreichen möchte, „duzen“ - und ja, ich kann im vorhinein nicht wissen, ob dies allen recht sein wird uns muss damit rechnen, dass deshalb einige „abspringen“ (sich aus der Mailinliste abmelden, den Blog nicht mehr lesen) - oder eben auch ihren Unmut kundtun.

Insofern also muss ich dem Schreibenden - trotz des rauen Tonfalls - „Danke“ sagen für die Gelegenheit, darüber nachzudenken - und in meinem Fall, sogar einen eigenen Blogpost darüber schreiben zu können.

Mein persönliches Resümee aus diesem Nachdenken über Kritik wäre also:

Der Kern liegt darin, den Fokus vom „ungewollt darüber nachdenken“, vom Grübeln oder einfach nur vom „sich deshalb schlecht fühlen“ auf eine bewusste, reflektierte Ebene zu verlagern:

OK - ich bin kritisiert worden

OK - es beschäftigt mich länger als gedacht

Warum hat mich gerade das - und was speziell daran - beschäftigt?

Was genau ist jetzt der „wahre“ Aspekt daran, der den ich (unbewusst) ohnehin schon gewusst habe?

Welche bewusste Entscheidung*) treffe ich jetzt?

*) Eine Entscheidung, die mit meinen eigenen Zielen und dem Aspekt, der FÜR MICH der „wahre Aspekt“ war, zu tun hat, und NICHT mit den Wünschen, Vorstellungen, dem Weltbild desjenigen, der mich kritisiert hat.

Oder anders gesagt - ganz allgemein auf jede Kritik bezogen:

- Hält die Kritik mich davon ab, weiter zu machen? -> Niemals

- Ändert die Kritik etwas an dem was ich konkret tue? -> Manchmal

- Kann ich etwas daraus lernen? -> Immer

Wie seht ihr das? Wie geht ihr mit Kritik um?

Was von diesen, meinen Gedanken, findet ihr auch euch nützlich und sinnvoll?

Ich freue mich wirklich, von euch zu hören!

Euer Peter


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