Das weitaus gefährlichere Virus

blog Mar 11, 2020

Update 23.3.2020:
Mittlerweile gehen die Maßnahmen noch weiter und es gibt weitgehende Ausgangsbeschränkungen - dieser Artikel stammt vom 11.3.2020:

Seit gestern hat das Corona Virus nicht nur Deutschland und die Schweiz, sondern nun auch Österreich fest im Griff: Kulturveranstaltungen mit über 100 Menschen dürfen ab heute nicht mehr stattfinden, viele Veranstalter sagen selbst kleinere Events ab - wohl auch, weil diesen ohnehin viele Menschen fernbleiben würden.

Natürlich sind das sinnvolle Maßnahmen, um eine weitere Ausbreitung und damit auch eine baldige Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern - ob sie hilfreich und ausreichend gewesen sein werden, das wird sich erst in den nächsten Wochen und Monaten herausstellen.

Niemand kann voraussagen, wie lange das andauern kann - und was bis dahin mit all den unzähligen Kulturschaffenden passiert sein wird, die nun eine von oben verordnete (und wohl auch notwendige) Zwangspause einlegen müssen.

Der Deutsche Kulturrat etwa fordert einen Notfallfonds und schreibt:

„Große Sorgen macht […] die Situation freiberuflicher Künstlerinnen und Künstler und anderer Selbständiger aus dem Kultur- und Medienbereich. Mit der Absage von Aufführungen, Tagungen, Veranstaltungen usw. droht ein erheblicher Teil von deren Einnahmen wegzubrechen. Das kann sehr schnell existentielle Auswirkungen haben.“

Speziell diejenigen Kolleg°innen, die mit Auftritten, Konzerten, Lesungen, etc. ihre Einnahmen bestreiten, stehen nun vor einer unerwarteten und real bedrohlichen Situation. Aber auch für viele bildende Künstler°innen fallen Einnahmemöglichkeiten weg: Kunstmärkte, Messen, ja selbst Galerien bleiben derzeit geschlossen.

Mich persönlich aber beschäftigt ein anderes, weitaus ansteckenderes Virus zur Zeit noch wesentlich mehr: während das Coronavirus im Schnitt von einer°m Infizierten auf 2 bis 3 weitere Menschen übertragen wird, greift dieses andere Virus weitaus schneller um sich: es befällt gerade eben hunderte, tausende, ja Millionen von Menschen.

Ich spreche vom Virus der Angst. Dieses Virus ist weitaus größer und stärker, weil es oft gar nicht Bezug nimmt auf das reale Ausmaß der Gefahr: de facto sind ja - rein in Prozenten aber vorerst auch in absoluten Zahlen gesprochen - verhältnismäßig wenige Menschen mit dem Corona Virus angesteckt. Was nicht heißt, dass dieses harmlos ist! Aber die Möglichkeit, davon angesteckt zu werden ist derzeit, sofern man vorsichtig bleibt, weitaus geringer, als einen Unfall, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu haben.

Noch. Natürlich sollen die oben erwähnten Maßnahmen auch dazu beitragen, das Virus „im Zaum“ zu halten und die beste Methode dafür ist natürlich die Vorsicht.

Vorsicht ist aber nicht das selbe wie Angst. Während Vorsicht den Blick und die Entscheidungsfähigkeit schärft, nimmt uns Angst nicht nur buchstäblich den Atem und die Vor-aus-sicht, sondern auch die Fähigkeit, vernünftig zu entscheiden und zu handeln.

Wie aber können wir uns vor diesem Virus der Angst schützen?

Händewaschen und soziale Kontakte vermeiden, so wie beim Coronavirus, sind wohl nicht die besten Mittel der Wahl.

Davon abgesehen helfen aber trotzdem auch gegen den Angst-Virus die selben Schritte wie gegen den Corona- und jeden anderen Virus bzw. die meisten anderen Krankheiten:

  1. Diagnose: das heißt Erkennen, was es überhaupt ist. Erst, wenn ich erkenne, dass es Angst ist, die gerade mein Denken, meine Entscheidungen, mein Handeln bestimmt, erst dann kann ich überhaupt irgend etwas dagegen unternehmen.

    Oft erkennen wir es aber gar nicht. Wir tun etwas - oder viel häufiger: wir tun etwas nicht - und wissen selbst aber gar nicht, warum wir das tun oder nicht tun.

    Wir „haben keine Lust“, „finden das nicht gut“, „haben was anderes zu tun“, „was wichtigeres vor“ oder legen uns irgendeine andere gute Ausrede zurecht, wo es doch eigentlich darum gehen würde, zu erkennen und anzuerkennen, dass es Angst ist, die uns abhält. Angst, die uns vor einem bestimmten Schritt abhält, den wir setzen sollten und der auch wichtig wäre. Für uns, für unsere Arbeit, für unseren Erfolg.

  2. Behandlung: wie behandelt man Angst? Durch ein sehr effektives Medikament:

    Dieses heißt: Neugier.

    Mit Neugier lässt sich Angst am besten und wirkungsvollsten besiegen. Zum Glück ist diese Arznei sehr günstig und relativ einfach zu bekommen: sie lässt sich nämlich direkt aus der Angst „gewinnen“. Wovor hast du Angst?

    Wenn du die Angst nicht nur diffus verspürst, sondern dir die Mühe machst, in dich hinein zu hören und festzustellen, was GENAU dir Angst macht, dann öffnest du dir auch die Möglichkeit, diese Frage zu stellen: und was kann NOCH alles passieren? Welche anderen Resultate kann das, was mir diese Angst bereitet, noch haben?

    Und schon sind wir bei der Neugier. Wenn du beginnst, diese Frage zu stellen und nach möglichen anderen Resultaten zu suchen (selbst dann, wenn diese AUCH bedrohlich sind - es geht gar nicht darum, die Angst oder mögliche negative Ergebnisse zu verleugnen!) sobald du diese Suche beginnst, kommst du in den „Neugier“ Modus.

    Bald schon wirst du bemerken, dass die Neugier nach und nach die Angst heilt. Wie eine gute, wirklich wirksame Medizin. Sanft und ohne Nebenwirkungen. Oft merkt man erst im Nachhinein, dass es gewirkt hat.

  3. Vorbeugung: wie andere Viren auch, stirbt auch jenes der Angst nicht vollkommen aus, sondern wird nur für kürzere oder längere Zeit ruhig gestellt. Wenn es wiederkommt, sollten wir eine gute Vorbeugung parat haben.

    Diese lautet: Vorräte hamstern!

    Ja, genau! Das, was wir beim Corona-Virus eigentlich nicht tun sollten, was sinnlos und sogar schädlich (für alle anderen) ist - genau das sollten wir beim Angst-Virus machen.

    Ich meine aber natürlich kein Klopapier und keine Nudeln, wie sollten die auch vor Angst schützen? (Na gut, das Klopapier ist schon auch bei angstbedingtem Dünnpfiff sinnvoll). Aber nein: ich meine mit Vorräte hamstern: Vorräte an Ideen, an kreativen Lösungswegen, an zukünftigen Projekten, an weiteren Neugier-anregenden Möglichkeiten.

    Je öfter und je aktiver wir uns vorstellen, was wir alles tun KÖNNTEN - und je öfter und aktiver wir auch Stück für Stück davon verwirklichen - und die anderen „auf Lager legen“, eben „hamstern“ - desto besser schützen wir uns vor scheinbar ausweglosen Situationen, die uns Angst bereiten.

Wie geht es euch mit diesen Gedanken? Was bereitet euch Angst, wie habt ihr diese erkannt und definiert - und welche Ideen-Vorräte möchtet ihr hamstern, um diese wirkungsvoll durch echte Neugier zu bekämpfen?

Ich freue mich auf eure Nachrichten und wünsche euch das Allerbeste - gegen jede Art von Viren, woher auch immer sie kommen mögen.

Euer

Bild: Graffiti in Valparaiso, Chile (Detail), ungekannte°r Künstler°in, Foto: Karin Schäfer, 2016 #kunstfairteilen

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